Die Blattfallkrankheit der Rebe

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So wurde die vom Pilz Plasmopara viticola verursachte Peronospora genannt, als sie Ende des 19. Jahrhunderts, von Amerika kommend, sich in Europa ausbreitete. Bis Kupfer als bis heute wirksames Fungizid entdeckte wurde, gab es keine Mittel dagegen und nach mehreren Infektionen fiel auch tatsächlich ein Großteil des Laubes zu Boden, was nicht nur den gesamten Ernteausfall bedeutete sondern sogar das Überleben der Stöcke gefährdete.

Auf Grund der wieder einmal ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse während dieses Frühjahrs und Sommers mit häufigen und ergiebigen Niederschlägen in kurzen Abständen fand dieser Pilz, der auch als Falscher Mehltau bezeichnet wird, mehr als nur ideale Bedingungen vor.

Eine andauernde Bodenfeuchte, welche ideal für das Keimen der Wintersporen war, immer wieder Blattnässe, so dass die Sporen lange lebensfähig und damit infektiös blieben, ein regenbedingtes starkes Rebwachstum, das immer wieder frische, empfindliche Blattmasse produzierte, heftige Gewitter mit Sturm, die für die Verbreitung der Sporen ideal waren sind nur die weinbaulichen Faktoren, die heuer außergwöhnlich waren und zu einer Befallsintensität führten, an die sich auch alte Leute nicht erinnern können.

Nicht weniger bedeutsam sind die Probleme, welche pflanzenschutzseitig zu beklagen sind: die dichte Laubmasse macht es fast unmöglich, alle Blätter besonders an der wichtigen Unterseite mit der Spritzbrühe zu treffen, das dauernde und schnelle Wachstum produziert unentwegt Blattfläche, die von Kontaktfungiziden ungeschützt ist und die systemischen Mittel werden dauernd stark verdünnt, bzw. werden nicht in ausreichendem Maße in den Zuwachs transportiert. Auch die ansonsten ausreichend funktionierenden Produkte sind heuer deutlich an ihre Grenzen gestoßen. Es ist in meiner Gegend niemanden gelungen, die Reben so „unter Belag zu halten“, dass keine oder nur wenige sogenannter „Ölflecken“ die Rebe gekennzeichnet hätten.

Besonders stark hat es wie befürchtet jene Betriebe getroffen, welche sich der  biologischen oder biodynamischen Wirtschaftsweise verschrieben haben. Auch kontinuierliche Applikationen mit Kupfer, dieses dort einzig erlaubten Mittels, sind in solchen Jahren ungenügend, um befriedigende Ergebnisse zu erhalten. Ich getrau mich fast nicht daran zu denken was passiert, wenn dieses Schwermetall auf Grund seiner naturgemäßen Nichtabbaubarkeit im Boden in Zukunft – und solche Bestrebungen werden von einigen EU-Mitgliedsländern vorangetrieben – überhaupt verboten wird.

Natürlich sind auch unsere Reben vom Pilzbefall in unterschiedlichen Ausmaß betroffen. Letzte Woche wurden alle Anlagen ein letztes Mal mit einer systemisch wirkenden Mischung behandelt um das Sporulieren bestehender Ölflecken zu verhindern. Nach diesem „Ausbrennen“ werden wir allein mit geringen Kupferdosierungen versuchen, den Neuzuwachs halbwegs sauber in den Herbst zu bekommen. Wenn uns das gelingt, dann stehen die Chanchen nicht schlecht, doch noch eine qualitativ ausreichende Reife der Trauben zu bekommen. Die Tatsache, mit hohen Laubwänden zu arbeiten, kommt uns in solchen Jahren sicher entgegen. Und in Südtirol entscheidet im Normalfall sowieso die Witterung der letzten drei Wochen vor der Ernte, wie der Jahrgang endgültig sein wird.

Die Bilder dieses Beitrages wurden in einer Anlage gemacht, die zum Zeitpunkt des Fotografierens ein Mal, Ende Juni, behandelt worden ist. Auf diesen paar Quadratmetern vor dem Haus, bestockt mit Goldmuskateller, Lagrein und Tannat, fahre ich absichtlich ein Minimalprogramm um Erfahrung zu sammeln. So sehen zum Glück nicht viele, aber doch einige Weingärten in unserer Gegend aus, auch bei bedeutend intensiverem Pflanzenschutz.

Es ist Zufall, oder irgendwie leider auch nicht, dass der burgenländische Kollege Fiedler gleichzeitig das selbe Thema anspricht.

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